Da bei uns, der Bäckerei Traublinger, die Ausbildung einen sehr wichtigen Punkt ausmacht ist es uns ein besonders Anliegen Ihnen unser Ausbildungssystem vorzustellen.
Wir bilden Lehrlinge aus der ganzen Welt bei uns aus. Z.B. hatten wir ein japanisches Bäckerlehrmädchen. Sie erhielt nach bestandener Prüfung das Stadtdiplom für herausragende schulische Leistungen überreicht. Aber auch Kollegen aus Südafrika, Chile, Italien, Österreich, Jugoslawien und der Türkei konnten bei uns die Bäcker- und Konditorenausbildung sehr erfolgreich abschließen.
Unser Ausbildungssystem ist in verschiedene Schritte gegliedert die wie Zahnräder ineinander greifen. Lassen Sie uns doch die wichtigsten Punkte dieses Systems einfach näher unter die „Lupe“ nehmen.
Am ersten Tag der Ausbildung, alle neuen Lehrlinge sind verständlicherweise etwas nervös, wird erst einmal der ganze theoretische „Papierkram“ erledigt. Es werden die Spielregeln des Betriebes erklärt, wann und wie die Pausen abgehalten werden, was passiert wenn, die Abteilungsleiter werden vorgestellt usw. usw. An diesem ersten Tag ist an die eigentliche betriebliche Tätigkeit überhaupt nicht mehr zu denken.
Hinzu kommt, dass in der Regel an diesem Nachmittag noch die Schuleinschreibung stattfindet.
So – und heute fangen wir richtig an mit der Ausbildung. Die „Neulinge“ werden zu Ihren Abteilungsleitern gebracht und gleich mit den ersten leichten Tätigkeiten vertraut gemacht. Sobald dann ein bisschen Zeit ist, werden den Konditoren die ersten Garniertechniken und den Bäckern die ersten Flechtübungen beigebracht. Schließlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und bekanntlich macht „Übung den Meister“. Da es sich hier nur um die ersten Grundtechniken handelt muss dies natürlich immer wiederholt werden.
Die Lehrlinge werden bis zum Jahreswechsel an allen Posten für ganz kurze Zeit eingesetzt um Ihnen zu zeigen welche Ausbildungsstufen sie in den drei Jahren durchlaufen müssen.
Grundsätzlich ist aber die Basisausbildung am Arbeitstisch absolut vorrangig. Während der 3-monatigen Probezeit wird mit allen Lehrlingen am Monatsende ein „Lehrlingsgespräch“ geführt. Dies hat den Sinn, dass wir wissen, was den jungen Kolleginnen und Kollegen auf der Seele liegt aber auch schon von Anfang an etwas Einfluss auf diverse Verläufe nehmen können.
Ist der Jahreswechsel erreicht wird in die sog. Postenausbildung übergegangen.
In den ersten vier Monaten werden den neuen Lehrlingen alle allgemeinen Arbeiten gezeigt und vermittelt. Das beginnt vom Stauben der Körbe, über das Herrichten und Schmieren der Formen bis hin zum Brezen drehen, Flechten und dem Abwiegen von Teigen. Grundkenntnisse im Ausstoßen, Wecken formen sowie das Mithelfen beim Schießen werden ebenso in diesen Monaten vermittelt, wie das Bedienen und reinigen von kleinen Maschinen z.B. Schleifmaschine usw.
Nach dem Jahreswechsel werden die Lehrlinge dann den Posten fest zugeteilt. Die Zeit an den Posten ist in der Bäckerei in der Regel ein Monat, in der Konditorei zwei Monate.
Folgende Posten sind bei uns vorhanden:
Mischerei |
Dauergebäck |
Versand |
Nach dem Fasching wird bei uns das sog. Lehrlingsschaufenster dekoriert. Der Schwierigkeitsgrad ist abhängig vom Lehrjahr. Das Schaufenster bleibt ca. 3 Wochen bestehen. Bei Bestellungen aus dem Schaufenster darf der Lehrling dieses Schaustück fertigen. Das ist eine Anerkenntnis der Leistung, daß gerade dieses Schaustück dem Kunden am Besten gefallen hat. Das Schaufenster wird fotografiert und jeder Lehrling erhält davon Abzüge.
Des weiteren haben wir allen Lehrlingen die Möglichkeit eingeräumt, daß sie pro Lehrjahr eine Woche einen anderen Betrieb besuchen dürfen. Dieser Lehrlingsaustausch ist ein perfekte Einrichtung um schon während der Ausbildung Lücken zu schließen. Lücken können einmal im Sortiment oder in den verschiedenen Aufarbeitungstechniken bestehen.
Im dritten Lehrjahr kommen neben dem Lehrlingsaustausch auch noch zwei Wochen Verkaufsausbildung hinzu. Dabei wird den Lehrlingen das Ladenbacken, das Dekorieren vom Schaufenster aber auch das Kaffee kochen und Snack belegen gezeigt. Des weiteren sollte natürlich noch ein weiterer Punkt ins Bewußtsein gerufen werden, was leider in der kurzen Zeit kaum möglich ist. Ich behaupte einmal, daß jeder dieses Problem kennt und somit auch damit zu kämpfen hat. Das was ich meine nenne ich „ja das geht schon noch - Syndrom“ .
Tja und dann habe ich noch ein besonderes Zuckerl für die Bäckerlehrlinge während der Ausbildung. Sie erhalten im dritten Lehrjahr die Möglichkeit für zwei Tage in das Labor einer Mühle zu gehen. In dieser Zeit assistieren Sie und dürfen selber Tests an verschiedenen Mehlproben durchführen. Des weiteren werden alle Ergebnisse anhand der Kurven und Berechnungswerte vom Laboranten genau erläutert.
Wie schon anfangs angesprochen haben wir eine Postenausbildung im Betrieb eingeführt. Nach jedem Postenwechsel erhält der Lehrling einen Fragebogen zu dem jeweiligen Posten. Somit können wir auch kontrollieren, wie gut der Lehrling an diesem Posten ausgebildet wurde. Die Ausbildung betrifft nicht nur die Produkte sondern auch das technische Gerät.
Neben der postenspezifischen, fachspezifischen Ausbildung werden unsere Lehrlinge an den nicht freien Samstagen ebenfalls in Fachrechnen oder Fachtheorie geschult. Diese Fragen bzw. Rechenaufgaben stelle ich selber und sie sind an den Ausbildungsverlauf in der Berufsschule gekoppelt.
Neben dieser speziellen Postenausbildung müssen die Lehrlinge wöchentlich und monatlich bestimmte Übungen absolvieren. Z.B. müssen jede Woche Hörnchen, Stangerl und handgeschlagene Kaisersemmeln geübt und anschließend gebacken werden. Monatlich müssen z.B. Sandkuchen oder Torten einstreichen geübt werden.
Sicherlich hat jeder Betrieb Produkte die er nicht herstellt, weil diese entweder zuwenig Absatz haben oder zu teuer sind. Aus diesem Grund werden bei uns hausinterne Schulungen durchgeführt. Z.B. wird von einem Meister ein Pralinenkurs ausgearbeitet und abgehalten. Dieser erstreckt sich in der Regel über zwei Tage. Am ersten Tag werden Pralinenmassen hergestellt, am zweiten werden diese fertiggestellt. Das gleiche machen wir beim Eis. Am ersten Tag werden Eistüten gemacht und das Eis gefroren, am zweiten Tag werden die Eisbecher ausgarniert. Im Gegensatz zur Pralinenherstellung sind beim Eis alle Lehrlinge, Bäcker und Konditoren, dabei. Nach der Eisherstellung dürfen die Lehrlinge das ganze Eis essen.
Auch im dritten Lehrjahr kommt noch 1 Woche Verwaltungsausbildung hinzu. Dabei wird den Lehrlingen das B.I.T Backprogramm für Kundenbestellung und Korrektur usw. gezeigt.
Neben der Betreuung der Lehrlinge im Betrieb pflegen wir auch sehr engen Kontakt zur Schule. Wir lassen uns regelmäßig über die Leistungen und natürlich auch über das Verhalten der Lehrlinge informieren. Besonderen Anklang hat unsere Notenübersicht gefunden. Die Schule findet das ganze sehr positiv, daß wir eine Art Zwischenzeugnis erarbeitet haben. So können wir schon nach den ersten Monaten erkennen in welche Richtung die schulischen Leitungen laufen.
Am Jahresende, wenn es die richtigen Zeugnisse der Schule gibt werden unsere Lehrlinge je nach Noten belohnt.
Des weiteren halten wir während der Ausbildung sehr engen Kontakt zum Elternhaus. Alle 6 Monate vereinbaren wir Termine mit den Eltern um sie vom Ausbildungsstand ihrer Kinder zu unterrichten. Sollten zwischendurch Probleme auftauchen werden diese selbstverständlich vorher mit den Eltern besprochen.
Neben der ganzen Ausbildung soll aber auch das Gesellschaftliche, die Bindung zu den Kollegen nicht verloren gehen. Zweimal im Jahr wird mit allen Lehrlingen eine Lehrlingsversammlung durchgeführt. Dort werden Probleme erörtert die sowohl die Lehrlinge als auch uns betreffen.
Um die Lehrlinge aber auch in die gesamte Betriebsgemeinschaft zu integrieren werden im Jahr mehrere Veranstaltungen abgehalten. Das wären einmal ein Betriebsfest, einmal Kegeln, einmal Bowling, zweimal im Jahr ein Go-Kart-Rennen.
Ganz klares nein. Entscheidend ist, daß sie sich bei uns wohl fühlen und jederzeit wissen, daß sie mit Problemen zu uns kommen können, auch wenn diese nicht unbedingt betrieblicher Natur sind. Sie sollen wissen, daß wir alles tun, was in unserer Macht steht um die Lehrzeit interessant und abwechslungsreich zu gestalten. Aber auch die Eltern sollen das Gefühl haben, daß ihre Kinder bei uns gut aufgehoben sind.
Selbstverständlich habe ich auch Ärger mit Lehrlingen. Man hat Ärger mit Mitarbeitern, die 30, 40 oder 50 Jahre alt sind. Man hat Ärger mit Mitarbeitern, die 10, 20 oder sogar 30 Jahre in einem Betrieb sind. Warum sollte man dann nicht auch einmal mit einem jungen Menschen Ärger haben, der gerade 16 oder 17 Jahre alt ist. Ich glaube bei den Lehrlingen kann man das sogar noch eher verstehen wie bei den erstgenannten Mitarbeitern.
Einer meiner Fachlehrer hatte für diese Frage immer nur eine Antwort parat.
Wo Menschen sind da menschelt es.
Aber, wenn die Kontrolle konsequent durchgeführt wird hat das Ganze „Hand und Fuß“.